Big Data hält Einzug im Personalmanagement. Haben klassische Indizes ausgedient?
Beginnen wir etwas früher – in einer Zeit, in der wir noch nicht arbeiten gehen. In der Kindergarten- und Schulzeit. Welche Erkenntnisse gewinnen Sie als Elternteil bei einem Entwicklungsgespräch in der Schule oder im Kindergarten, wenn man Ihnen mitteilt, dass der Weiterempfehlungs- oder Zufriedenheitsindex unserer Gruppe bei 6,8 liegt? Oder bei 7,3? Und wie interpretieren Kinder diese Ergebnisse? Daraus ziehe ich den Schluss, dass herkömmliche Indizes aus Mitarbeiterbefragungen zu Zufriedenheit und Engagement die wahren Stärken und Schwächen von Organisationen verschleiern und kaum verwertbare Aussagen liefern. Dabei gäbe es so viele aussagekräftige Informationen zu entdecken.
Umfragen belegen, dass Beschäftigte mehrmals täglich während der Arbeitszeit ihre Facebook- oder Instagram-Konten nutzen. Studien zeigen zudem, dass aktive Social-Media-Nutzer oft auch engagiertere Mitarbeitende sind – echte Markenbotschafter. Dabei lassen sie sich weder nach sozialer Herkunft noch nach Alter oder Berufsgruppe differenzieren. Mitarbeitende sind heute im Wesentlichen schlichtweg offen für regelmäßige Kommunikation und den kontinuierlichen Informationsaustausch. Daraus schließe ich, dass Beschäftigte bereit sind, moderne Kommunikationsmittel zu nutzen und sich systematisch mit ihrem Arbeitgeber auszutauschen – und zwar weitaus häufiger als nur einmal im Jahr, quartalsweise oder monatlich.
Ich möchte diesen Gedanken an einigen Beispielen verdeutlichen. Moticheck bietet eine Lösung zur kontinuierlichen Messung von Mitarbeiterzufriedenheit und -engagement, bei der jeder Mitarbeiter an jedem Arbeitstag genau eine Feedbackfrage erhält. Statistiken belegen, dass über 70 % der Empfänger diese tägliche Frage beantworten. Bereinigt man diese Zahl um Krankheits- und Urlaubstage, liegt die Rücklaufquote sogar zwischen 75 % und 80 %. Dieses Beispiel veranschaulicht eindrucksvoll: Wenn Sie zeitsparend und über moderne Lösungen mit Ihren Mitarbeitenden kommunizieren, sind diese gerne bereit, dem Arbeitgeber äußerst wertvollen Input zu liefern.
Kommen wir zurück zum Thema Big Data. Wenn Sie jedem Mitarbeiter eine andere Frage stellen, wie viele Daten lassen sich dann innerhalb einer einzigen Woche erfassen? Sehr viele. So viele, dass sich darauf fundierte und verlässliche Entscheidungen stützen lassen. Dabei existieren all diese Daten ohnehin in der Organisation – ganz gleich, ob Sie die Fragen tatsächlich stellen oder nicht. Dass ein Arbeitgeber seine Beschäftigten nur einmal jährlich oder quartalsweise um Feedback bittet, ist reine Unterlassung, Gleichgültigkeit oder schlicht ein bequemer Kompromiss.
Schließlich tragen die Mitarbeitenden die Antworten auf sämtliche Fragen aus Mitarbeiterbefragungen stets in sich. Doch diese Antworten sind keine unveränderlichen Konstanten. Sie wandeln sich, sobald sich das Umfeld verändert – sei es durch externe Einflüsse wie Krisen, Absagen von Kunden oder eine veränderte Marktlage. Hinzu kommen unzählige interne Faktoren, die sich aus der Zusammenarbeit mit Kollegen, der Arbeitsbelastung und nicht zuletzt dem Homeoffice ergeben. Mitarbeitende verfügen somit über eine Vielzahl dynamischer Daten zu Arbeitserfahrung, Rollen, Aufgaben, Arbeitsumfeld, Arbeitszeiten, Beziehungen, Führung und vielem mehr. Es liegt im direkten Interesse des Arbeitgebers, sich Zugang zu diesen Daten zu verschaffen. Um diese Informationen nutzbar zu machen, müssen Sie die richtigen Kanäle öffnen und wertschöpfende Analysen einsetzen. All das müssen Sie nicht selbst entwickeln – dafür gibt es heute bereits elegante, etablierte Lösungen.
Es lohnt sich, hierzu weitere Zahlen zu betrachten. Statistiken von Moticheck zeigen: Bei 3 % aller von Mitarbeitenden beantworteten Fragen wird zusätzlich ein Freitextkommentar verfasst. Das bedeutet: Pro 100 Mitarbeitende erhält ein Unternehmen 3 Kommentare pro Tag, 15 pro Woche und 60 fundierte Vorschläge oder Hinweise pro Monat. Wohlgemerkt: pro 100 Mitarbeitende! Diese Rückmeldungen sind in der Regel von hoher inhaltlicher Relevanz. Es handelt sich um ein enormes Potenzial und Wissen, das 99 % der Unternehmen und Institutionen heute unbewusst ungenutzt lassen.
Haben starre Indizes also ausgedient? Ja, definitiv. Das bedeutet keineswegs, dass die Methodik oder Validität dieser bisherigen Indizes und Studien falsch war. Die Welt hat sich schlicht weiterentwickelt und bietet uns heute völlig neue Möglichkeiten. Wir müssen Datenmengen nicht mehr künstlich beschränken oder fürchten, dass Fragebögen zu einer Überlastung führen. Tatsächlich können Sie heute 10- oder 50-mal mehr Fragen stellen. Wir können täglich mit Menschen interagieren. Diese enge Kommunikation erlaubt es uns, den Umfang und die Themenvielfalt von Mitarbeiterbefragungen und Feedbackimpulsen erheblich auszubauen. Moderne Tools erledigen mehr Arbeit in kürzerer Zeit. Eine fundierte, umfangreiche Datenbasis ist die Zukunft – und aus Sicht der Organisationsführung eine äußerst vielversprechende Entwicklung.
Martin Rajasalu