In der Unternehmensführung haben „weiche Faktoren“ oft einen viel höheren Wert als die „greifbaren Dinge“. Doch um diesen Wert zu verstehen und sichtbar zu machen, müssen Sie ihn in harte Zahlen fassen – in Euro oder Dollar.
Bei Moticheck, einem Anbieter von Screening-Technologie für die Employee Experience, sprechen wir täglich mit Dutzenden von HR- und People & Culture-Managern. Bevor wir unser Verkaufsgespräch führen und unsere kontinuierliche Mitarbeiterbefragungslösung vorstellen, versuchen wir herauszufinden, welche Herausforderungen der Kunde hat und welche potenziellen Mehrwerte wir bieten können. In der Regel umfasst unser Vertriebsgespräch vier einfache Fragen:
- Welche Erfahrungen haben Sie bisher mit Mitarbeiterbefragungen gemacht?
- Warum führen Sie diese durch?
- Was ist der Zweck Ihrer Mitarbeiterbefragungen?
- Welchen Return on Investment oder welche anderen wirtschaftlichen Kriterien erwarten Sie von der Lösung?
Auf die ersten Fragen gibt es meist gute Antworten, die mit anschaulichen Beispielen untermauert werden. Doch es ist eher die Regel als die Ausnahme, dass Unternehmen und Organisationen den tatsächlichen Wert ihrer HR-Programme (wie OKRs und Scorecards) und Softwaresysteme (Befragungstools, IT-Systeme) nicht kennen.
Es ist leicht, in einem Leitbild oder Mission Statement zu formulieren, dass die Organisation beispielsweise die Zufriedenheit und die berufliche Entwicklung der Mitarbeiter fördert. Doch was bedeutet das konkret? Wie messen Sie das? Und ist das der eigentliche Zweck? Zufriedenheit kann das Endziel sein, aber sie kann auch einfach ein Mittel sein, um eine bessere Leistung zu erzielen. Wie beziffern Sie Zufriedenheit in Euro?
Die Einführung oder Nutzung eines HR-Tools oder IT-Systems dient immer einem Zweck – einem übergeordneten Zweck. In der Praxis wird ein Mitarbeiterbefragungstool wie Moticheck eingesetzt, um die Mitarbeiterleistung zu steigern und damit Rentabilität, Effektivität und Umsetzungsgeschwindigkeit zu verbessern. Das sind alles messbare Ziele. Aber es ist oft schwierig, diese in Euro und Dollar auszudrücken. Die Rentabilität wird neben der Veränderung des Employee-Experience-Scores von vielen weiteren Faktoren beeinflusst. Wir müssen also ins Detail gehen – und dazu müssen wir manchmal neben den positiven Effekten auch die Opportunitätskosten berechnen.
Nehmen Sie sich die Zeit für die Berechnung!
Ich schlage vor, einen der beiden Ansätze oder eine Kombination daraus zu nutzen:
- Berechnung des Zeitaufwands und potenzieller Einsparungen
- Berechnung des Werts potenzieller Erträge
Betrachten wir ein Beispiel, mit dem ich besonders vertraut bin. Die Logik lässt sich jedoch auch auf andere Bereiche und Tools anwenden.
Bei Moticheck raten wir unseren Kunden zu berechnen, wie viel administrative Zeit das HR-Team gewinnt, wenn es Moticheck anstelle seiner bisherigen Lösung einsetzt. Meist ergibt sich daraus eine überraschend hohe Kostenersparnis – oft mehrere Wochen an HR-Arbeitszeit. Auch der Zeitaufwand der Mitarbeiter sollte in Minuten und Stunden erfasst werden, was sich schnell auf Monate an Vollzeitäquivalenten (VZÄ) summiert.
Andererseits empfehlen wir unseren Kunden, die Gewinne zu berechnen. Wie stark können Sie beispielsweise Ihre Mitarbeiterfluktuation senken, wenn es Ihnen gelingt, Ihre Employee Experience in einer bestimmten Kategorie um eine Einheit oder insgesamt um 5 % zu verbessern? Als Faustregel gilt, dass die Kosten für den Ersatz eines VZÄ etwa neun Monatsgehältern entsprechen (einschließlich Nachbesetzung, Recruiting, Einarbeitung, Leistungsabfall etc.).
Verlieren Sie sich nicht in Details und Nachkommastellen.
Eine grobe Schätzung reicht völlig aus. Nehmen wir an, Sie können die Fluktuation um 5 Personen senken, deren monatliches Bruttogehalt inklusive Lohnnebenkosten bei 6.000 € pro VZÄ liegt. Damit würden Sie 270.000 € einsparen! Nehmen wir weiter an, dass ein automatisiertes, kontinuierliches System den Aufwand Ihres HR-Teams um 20 Stunden pro Quartal reduziert und eine verbesserte Benutzeroberfläche jährlich 8,5 Monate an Gesamtarbeitszeit einspart. Wenn Sie diese Stunden und Monate mit den durchschnittlichen Personalkosten multiplizieren, landen Sie schnell im siebenstelligen Euro- oder Dollarbereich.
Stellen Sie sich nun vor, Sie diskutieren in Ihrer Vorstandssitzung oder im Entwicklungsausschuss darüber, ob Sie 40.000 EUR in eine Software zur Messung der Employee Experience investieren sollten, um diesen siebenstelligen Mehrwert freizusetzen. Ich weiß nicht, welche Alternativen auf der Agenda stehen könnten, aber ich halte es für offensichtlich: Sobald „weiche Faktoren“ ein greifbares Preisschild haben, kann man sie kaum noch ignorieren.
Martin Rajasalu, CEO
Januar 2022