Wie Sie Ihr Team in unruhigen Zeiten unterstützen können

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Die zweijährige Gesundheitskrise zeigte Anzeichen eines lang ersehnten Rückgangs. Die Erschöpfung und Müdigkeit, die das Handeln in einer langanhaltenden Notlage mit sich bringt, werden jedoch leider nicht so bald nachlassen. Der am 24. Februar in der Ukraine ausgebrochene Krieg hat unsere bisherige Wahrnehmung des Lebens grundlegend verändert. Seelenfrieden, ein Gefühl der Sicherheit und eine ungeplante Zukunft sind Themen, die unsere Mitarbeitenden bei der Arbeit und zu Hause begleiten und sich direkt auf die Arbeitsleistung auswirken. Leider gibt es – wie schon bei der Gesundheitskrise – keinen Anlass, eine schnelle Rückkehr zur Normalität zu erwarten.

Angst, Unwissenheit und Wut vertragen sich nicht mit Leistung, sind aber derzeit Teil unseres Lebens und wirken sich auf unsere psychische Gesundheit aus. Wie kann in einer Situation, in der Angehörige von Mitarbeitenden in der Ukraine in Not sind, das Medienumfeld ängstlich und negativ ist und die Geschäftstätigkeit des Unternehmens beeinträchtigt wird, Unterstützung für innere Ruhe und bei potenziellen psychischen Problemen geboten werden? Es wäre kurzsichtig, ein erhöhtes Stressniveau zu ignorieren, selbst wenn unsere Beschäftigten sich nicht trauen, darüber zu sprechen, und Führungskräfte nicht darauf vorbereitet sind, mit psychischen Problemen umzugehen. Das Konzept des Mitarbeiter-Wohlbefindens muss um den Aspekt der mentalen Gesundheit erweitert werden. Unternehmen, die psychische Gesundheit als Teil ihrer Unternehmenskultur und ihrer Werte begreifen, passen sich schneller an neue Umstände an und sind erfolgreicher.

In unserer täglichen Arbeit bei Moticheck stehen wir im Austausch mit Führungskräften und HR-Verantwortlichen verschiedener Unternehmen und beobachten bewusste und gezielte Maßnahmen zur Unterstützung von Mitarbeitenden sowie Führungskräften. Wir haben unsere Kunden gefragt, wie sie auf die Situation reagiert haben und welche Empfehlungen sie mit anderen teilen würden. Die am häufigsten genannten Schritte und Prinzipien hängen weder vom Tätigkeitsbereich des Unternehmens noch von dessen direkter Verbindung zu den Rohstoffen oder dem Markt der Kriegsgebiete ab.

Es ist entscheidend, offen über die Situation zu sprechen

Die wirtschaftliche Leistungsfähigkeit eines Unternehmens kann durch die Krise, die Verfügbarkeit von Rohstoffen oder den Zusammenbruch von Märkten gelähmt werden, und Umstrukturierungen brauchen Zeit. Eine ehrliche und offene interne Kommunikation schafft Vertrauen und lädt alle dazu ein, gemeinsam neue Lösungen zu finden. In Zeiten der Unsicherheit ist Klarheit unerlässlich. Unter anderem betonte Piret Mårtensson, Service- und Personalleiterin von Tallinna Kaubamaja, die zentrale Bedeutung von Offenheit.

Ihr zufolge hat das Unternehmen neben anderen Unterstützungsmaßnahmen persönliche Town-Hall-Meetings mit seinen Mitarbeitenden organisiert.

Doch wie und in welchem Maße sollte Politik in die Kommunikation einfließen? Es ist unerlässlich, die Verurteilung des Krieges als offizielle Position des Unternehmens zum Ausdruck zu bringen. Unterschiedliche politische Ansichten der Mitarbeitenden können jedoch zu Konflikten innerhalb von Teams führen. Daher hilft ein klar formulierter Grundsatz, politische Positionen vor der Tür des Arbeitsplatzes zu lassen, um den Betriebsfrieden zu wahren.

Praktische Hilfe für Beschäftigte und ihre Familien

Viele Unternehmen beschäftigten und beschäftigen weiterhin Teammitglieder aus der Ukraine. Eine erfreuliche Anzahl von Unternehmen hat umgehend Maßnahmen ergriffen, um Familien aus den Kriegsgebieten in Sicherheit zu bringen, Unterstützung bei der Unterbringung der in Estland Angekommenen geleistet und bei deren dringlichsten Bedürfnissen geholfen. Unternehmensinterne Initiativen zur Unterstützung von Bedürftigen stärken den Teamgeist und helfen dabei, sich auf praktisches Handeln statt auf Sorgen zu konzentrieren.

Ene Krinpus von Magnetic MRO merkte an, dass es ihnen auch wichtig war, Mitarbeitenden und ihren Familien bei Transportfragen zu helfen – sei es bei der Ausreise aus der Ukraine oder der Rückkehr dorthin. „Darüber hinaus bieten wir Ukrainerinnen und Ukrainern Arbeitsplätze und Unterstützung beim späteren Wiederaufbau ihres Zuhauses. Zudem haben wir im Unternehmen begonnen, notwendige Hilfsgüter zu sammeln. Unsere Belegschaft steht den Kriegsflüchtlingen mit Rat und Tat zur Seite; es ist eine Art Buddy-System entstanden“, fügte sie hinzu.

Die Unterstützung von Freiwilligenarbeit, Spendenaktionen und gemeinsamen Zielen verbindet

Im Zusammenhang mit dem Krieg wurden in Estland zahlreiche ermutigende Initiativen ins Leben gerufen, viele davon direkt aus Unternehmen heraus. Viele Organisationen, wie Tallinna Kaubamaja oder die Estnische Nationalbibliothek, unterstützen das ehrenamtliche Engagement ihrer Mitarbeitenden, indem sie diesen Freiraum bezahlt gewähren. Bedürftigen zu helfen, trägt dazu bei, den eigenen mentalen Fokus von Ängsten auf sinnstiftende, wertschöpfende Aktivitäten zu verlagern.

Es gibt viele bekannte Marken in Estland, deren Bestreben, ihre besten Fähigkeiten und Kenntnisse zur Bewältigung der Krise einzusetzen, sie als Organisation zusammenschweißt. Gleichzeitig haben ihre Maßnahmen eine breitere gesellschaftliche Wirkung und vereinen Mitarbeitende und Kunden gleichermaßen bei der Suche nach den besten und flexibelsten Lösungen.

„Aufgrund der großen Zahl von Geflüchteten, von denen viele auch nach Estland kommen, haben wir ein ukrainischsprachiges Nachrichtenportal (ukraina.postimees.ee) eröffnet, bei dem selbstverständlich Ukrainerinnen und Ukrainer arbeiten“, veranschaulicht Ingrid Saar von der Postimees Group.

Innere Ruhe und Seelenfrieden unterstützen

Ein aufmunterndes Wort und praktische Ratschläge, wie man zur Ruhe kommt, sollten zur Standardausstattung im Werkzeugkasten jeder Führungskraft gehören. Bei Eesti Energia und vielen anderen Unternehmen wurden bereits Seminare und Vorträge sowie Gruppen-Coachings für mehr Ausgeglichenheit organisiert, in denen Psychologen praktische Tipps geben, wie man in einer Situation wachsender Spannungen die Ruhe bewahrt.

Ein bewusst aufrechterhaltener positiver Fokus hilft dabei, Ängste besser zu kontrollieren und sich auf Kernwerte zu konzentrieren. Führungskräfte sollten die Teams regelmäßig daran erinnern und natürlich selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

Sven Kotkas, Leiter von Kinema und Kinema Robotics, sagt, dass Menschen mit einer positiven Denkweise Rückschläge schneller überwinden und weiterarbeiten können, ohne Motivation und Qualität zu verlieren. Er verweist darauf, wie er Ratschläge namhafter Verhaltensforscher und (Vertriebs-)Trainer an Kollegen weitergegeben hat: stets unterstützend zu sein und den Fokus auf das zu richten, was sowohl den Mitarbeitenden als auch das Unternehmen voranbringt.

Medizinische Versorgung

Sich bei psychischen Problemen zu öffnen, fällt in unserem Kulturraum nicht leicht. Oft wurde dies sowohl als Schwäche als auch als reine Privatsache abgetan. Wir müssen jedoch lernen, bei Bedarf um Hilfe zu bitten und offen darüber zu sprechen. Jüngere Generationen gehen oft freier und bewusster mit Emotionen um, aber für die ältere Generation kann es eine echte Herausforderung sein, die Notwendigkeit professioneller oder medizinischer Hilfe anzuerkennen.

Viele Führungskräfte fühlen sich noch nicht sicher und vorbereitet genug, um diese Themen zu besprechen. Doch die Normalisierung im Arbeitsumfeld muss von den Führungskräften ausgehen. Bereits während der Gesundheitskrise haben viele Unternehmen Möglichkeiten geschaffen, auf Firmenkosten psychologische Beratung in Anspruch zu nehmen.

So hat die Estnische Nationalbibliothek ihren Teammitgliedern in Zusammenarbeit mit Confido eine erweiterte Krankenversicherung bereitgestellt, die zusätzliche Leistungen für Psychologen, Psychiater und Coaches umfasst. Darüber hinaus übernahm das Unternehmen die Rechnungen für psychologische Leistungen für diejenigen, die der optionalen Krankenversicherung nicht beigetreten waren.

Kriegsnachrichten haben dem ohnehin schon aufgebauten Stresslevel eine weitere Dimension hinzugefügt. Wir beobachten, dass mittlerweile deutlich mehr Unternehmen ihren Mitarbeitenden psychologische Beratung anbieten.

Fragen und zuhören

Die Zeiten sind für uns alle schwierig, und die Ängste reichen von der Sorge vor dem Arbeitsplatzverlust bis hin zur Angst vor dem Krieg. Im Frühjahr finden in vielen Unternehmen Entwicklungsgespräche statt. In diesem Jahr ermutigen wir Führungskräfte, mutiger persönliche Fragen zu stellen: „Wie geht es Ihnen?“ und „Wie fühlen Sie sich?“ sollten das absolute Minimum bei jedem Treffen sein – und nicht nur eine reine Höflichkeitsfloskel. Hören Sie aktiv zu und lassen Sie Ihr Gegenüber zu Wort kommen. Wenn die zuhörende Person mental nicht anwesend ist, wird sich das Gegenüber beim nächsten Mal womöglich nicht mehr öffnen.

Eine Skala zur Einschätzung des Angstniveaus zu nutzen, ist auch für Mitarbeitende mit einfacheren Tätigkeiten leicht verständlich; zudem trainiert es die Selbstbeobachtung und -analyse. Davon profitieren sowohl die fragende als auch die antwortende Person.

Eine Führungskraft, die sich aus eigenen Ängsten heraus abkapselt, überträgt Panik auf die Schultern der Mitarbeitenden und verstärkt die Zukunftsunsicherheit.

Liebe Führungskräfte, die Anforderungen an Ihre sozialen Kompetenzen, Ihre Empathie und Ihre Fähigkeit, kreative Lösungen für unerwartete Ereignisse zu finden, werden in den kommenden Wochen steigen. Bleiben Sie mit dieser Last nicht allein; seien Sie offen dafür, sich Hilfe und Rat zu holen, um sich darauf einzustellen.
Gehen Sie einen Schritt weiter bei der Einbindung Ihres Teams, indem Sie gemeinsam die besten Lösungen erarbeiten. Seien Sie gewiss: Ihre Leute werden mitdenken – ermutigen Sie sie, sich mitzuteilen. Hören Sie zu.

Der Erfahrungsaustausch mit anderen Unternehmen zur Ermittlung bewährter Praktiken – und warum nicht auch zur Zusammenarbeit – trägt ebenfalls dazu bei, Lösungen zu finden.

Neue Hürden erfordern neue Lösungen. Seien Sie bereit, manche bestehenden Aktivitäten loszulassen und neue Methoden anzuwenden. Auf dem Markt gibt es verschiedene technologische Hilfsmittel, um Mitarbeitenden Gehör zu schenken und ihr Feedback zu erfassen. Finden Sie die passende Lösung, um ein klares Bild der Gesamtlage zu erhalten. Sie können unmöglich alle Fragen selbst stellen oder persönlich jedes Gespräch führen.

Wir bei Moticheck sind davon überzeugt, dass es in stressigen Zeiten besonders wichtig ist, einander zuzuhören und das gesamte Team einzubinden. Durch Zusammenarbeit können wir schwierige Situationen effektiver bewältigen. Unsererseits erweitern wir unsere Plattform für kontinuierliches Mitarbeiter-Feedback um ein Modul für mentale Gesundheit. Damit stellen wir sicher, dass Mitarbeitende wissen, wo sie im Unternehmen Hilfe erhalten, und unterstützen Organisationen dabei zu verstehen, ob die angebotene Hilfe und die geschaffene Atmosphäre ihren Bedürfnissen und Erwartungen entsprechen. Fragen Sie nach und hören Sie zu!

 

Pille Parind-Nisula, März 2022

Dieser Blogbeitrag wurde ebenfalls auf personaliuudised.ee veröffentlicht.