Was beschäftigt CHRMs? Ein kurzer Bericht von einem HR-Hackathon

Kategorien

Hackathons sind großartig. Man lernt viele neue Gesichter kennen, und die Veranstaltungen sind voller Energie. Es herrscht eine enorme positive Stimmung und eine Packen-wir-es-an-Mentalität. Alle sind sehr optimistisch, hervorragende Lösungen zu finden. Das ist meist auch berechtigt. Am Ende des (zweiten) Tages werden selbstbewusste Demos und Pitches präsentiert, und die Atmosphäre ist ungemein unterstützend. Der Grund dafür ist, dass die Teams Außergewöhnliches geleistet haben. Und es ist nicht nur die kurze Zeit, die diese Leistung besonders macht. Es ist auch die Komplexität der Probleme, die gelöst werden, was das Präsentieren einer Lösung so lohnend macht. 

Anfang Februar hatte Moticheck die Gelegenheit, als Mentor am Hackathon von PARE, dem estnischen Personalmanagement-Verband, teilzunehmen. Die Veranstaltung war sehr interessant aufgebaut: Die Hacking-Teams waren nicht zwingend die ursprünglichen Problemverantwortlichen. PARE-Mitglieder hatten die Möglichkeit, ihre Fälle vor PARE und Personen zu pitchen, die daran interessiert waren, HR-Probleme zu lösen. Die Teams bildeten sich auf freiwilliger Basis. Die Problemverantwortlichen konnten am Hacking teilnehmen und gleichzeitig Außenstehenden ermöglichen, sich der Herausforderung anzunehmen und als Ansprechpartner für zusätzliche Informationen zu dienen. 

Was beschäftigt CHROs also im Jahr 2023? Welche Probleme lassen sich nicht einfach mit eingekauften Lösungen beheben? Ausgehend vom PARE-Hackathon gibt es drei große Herausforderungen, vor denen der HR-Bereich steht:

  • Talentgewinnung bleibt eine Herausforderung.

Es ist äußerst schwierig, Mitarbeitende für seltene Positionen und Rollen zu finden. Sie sind auf dem Radar von Arbeitssuchenden oft schlicht nicht vorhanden. Das mag ein Employer-Branding-Thema sein, aber darüber hinaus wissen die meisten Menschen einfach nicht, was ein Raketenwissenschaftler den ganzen Tag über tut. Oder, wie im Fall des Hackathons, eine Pflegefachkraft in einem Jugendheim. Das ist kein Problem der prominenten Großkonzerne, sondern betrifft oft unterfinanzierte öffentliche Institutionen, die sehr wichtige gesellschaftliche Aufgaben erfüllen. Wie gelangt man also auf den Radar und woher bezieht man Nachwuchskräfte? 

ESG ist von großer Bedeutung, aber es gibt mehr Worte als Taten – sowohl aufseiten der Mitarbeitenden als auch der Unternehmen. Wie lassen sich Maßnahmen ergreifen, die für beide Seiten erfüllend sind? Woher wissen Sie, ob Sie Fortschritte machen? Wie visualisieren Sie das? Wie messen Sie es? Und wie leisten Sie persönlich einen Beitrag?

  • Soziale Distanzierung

Die postpandemische Welt unterscheidet sich von jener vor 2020. Hybrides Arbeiten ist gekommen, um zu bleiben. Unternehmen haben Quantensprünge gemacht, um hybrides Arbeiten zu ermöglichen, sind mit den Ergebnissen jedoch oft nicht zufrieden. Manche Mitarbeitende sind täglich im Büro, andere hingegen nicht. Sie entfremden sich voneinander. Viele arbeiten nur noch in kleineren oder rein problemorientierten Teams. Die Unternehmenskultur wird durch viele kleine Subkulturen ersetzt, auf die HR keinen Einfluss hat. Das ist ein gewaltiger Paradigmenwechsel. Zweifellos herrschen Ungewissheit und Besorgnis über die Zukunft. Es wird viel über mentale Gesundheit gesprochen, aber das Vorleben einer psychologisch unterstützenden Unternehmenskultur ist verdammt schwer, wenn Menschen in Silos arbeiten und sich nicht mehr mit dem Rest der Organisation identifizieren.

Hackathons fördern in der Regel das Denken über den Tellerrand hinaus und drehen sich meist um den Entwurf einer neuen IT-Lösung. Dasselbe gilt für die oben genannten Themen. Sollten wir im HR-Bereich über nicht-digitale Lösungen nachdenken? Absolut – auch wenn das Personalwesen beim Thema Digitalisierung, Vernetzung und Datenkompetenz noch viel aufzuholen hat. Wir müssen auch moderne menschliche Verhaltensmuster anerkennen. Wenn sich die Arbeit im Homeoffice gut anfühlt sowie Zeit und Geld spart, dann ist sie gut. Wenn Menschen es nicht vermissen, neue Kolleginnen und Kollegen im Büro kennenzulernen, muss man auf digitale Lösungen setzen. Man kann natürlich hoffen, dass Menschen ungern auf Smartphones chatten, sich kurz fassen oder bei Themen mitreden, von denen sie wenig verstehen – doch die Erfolge der sozialen Medien beweisen das Gegenteil. Und das ist entscheidend. People- und Culture-Teams können viel von diesen Social-Media-Mustern lernen. 

Ein Punkt ist bei Hackathons besonders wichtig: Der Schlüssel zum Erfolg liegt meist darin, das Problem und seine eigentliche Ursache zu verstehen. Es kann jedoch auch dazu führen, dass man ein Problem bekämpft, das die Organisation gar nicht wahrhaben möchte. Die oben aufgeführten Themen sind eigentlich keine Probleme. Sie sind Symptome. Talentakquise fällt geschlossenen Organisationen mit geringem Marketingbudget schwerer. ESG sowie Diversity & Inclusion sind Bereiche, in denen Mitarbeitende eine Diskrepanz zwischen Überzeugungen und tatsächlichen Werten spüren. Auch soziale Distanzierung ist lediglich ein Resultat. Nun: Sprechen Sie mit Ihren Mitarbeitenden. Das reicht nicht? Dann versuchen Sie es mit Zuhören! Top-down-Kommunikation ist einfach und unverzichtbar. Bottom-up-Kommunikation schult Führungskräfte und fördert Innovationen. Stellen Sie sich zwei einfache Fragen: Bin ich engagierter, wenn ich rede oder wenn ich zuhöre? Bin ich leichter abzulenken, wenn ich rede oder wenn ich zuhöre? Für mich liegt die Antwort auf der Hand, da ich diese Frage täglich stelle: Es ist meine Aufgabe, Mitarbeitenden zuzuhören.

Kommen wir zurück zum Hackathon. Wer hat gewonnen? ESG-Monitore können digital sein. Das klingt nach leicht erreichbaren Erfolgen. Zahlreiche Fitness-Apps feuern uns an, wenn wir das nächste Level erreichen, um ... normal zu sein. Würde eine weitere digitale ESG-App überhaupt überleben? Gibt es etwas abseits ausgetretener Pfade? Bei diesem speziellen Hackathon gab es das tatsächlich. Deshalb hat das Team auch gewonnen. Sie haben eine Lösung speziell für die Organisation entwickelt. Sie ist werteorientiert, zweckgerichtet und nutzt interne Stärken optimal. Zudem bekämpft sie die Ursache, nicht das Symptom. Lässt sie sich auf andere Unternehmen übertragen? Sehr wahrscheinlich schon.

 


Möchten Sie erfahren, wie Moticheck Sie bei der Steigerung des Mitarbeiterengagements unterstützen kann?

Lassen Sie uns sprechen! Teilen Sie Ihre E-Mail-Adresse und wir helfen Ihnen beim Einstieg in intelligente Mitarbeiter-Insights. Kein Spam. Nur praxisnahe Einblicke.

Name

Schließen Sie sich Tausenden von Teams an, die ihr Engagement mit Moticheck verbessern.