Der Einfluss künstlicher Intelligenz auf Arbeitsplätze: Chancen schaffen und Rollen gestalten
Im Bereich der künstlichen Intelligenz (KI) herrscht weiterhin ein Wechselbad aus Unsicherheit, Besorgnis und gespannter Erwartung. Die Befürchtung, KI könnte Arbeitsplätze verdrängen und das Bildungswesen grundlegend verändern, erinnert an frühere Ängste vor revolutionären Technologien wie der Elektrizität. Während von der Elektrizität durchaus physische Gefahren ausgingen, eröffnete sie zugleich ungeahnte Möglichkeiten. Ähnlich wird KI heute vor allem für ihre Fähigkeit geschätzt, Routineaufgaben mit bemerkenswerter Präzision und Schnelligkeit auszuführen. Doch welche Trends wird die KI auf dem Arbeitsmarkt tatsächlich einleiten?
Unterschiedliche Wahrnehmungen
Ein gefälschtes Bild des Papstes in einer modischen weißen Daunenjacke schlug in den sozialen Medien hohe Wellen – für manche ein gelungener Scherz. Allerdings wurden Bilder auch schon vor dem Zeitalter der KI manipuliert. „Geshoppt“, sagten wir damals. Ebenso gab es Fake News schon lange vor der KI, was die Sorge über deren neuartige Verbreitung relativiert. Die Berichterstattung über den Ukraine-Konflikt verdeutlicht, wie einseitige Informationen Meinungen beeinflussen können, und zeigt, dass die Verantwortung oft bei den Empfängern selbst liegt. Profile in den sozialen Medien steuern, welche Inhalte wir sehen – ein Merkmal von KI, das sich auch zeigt, wenn Websites unmittelbar Flugtickets für eine erwähnte ausländische Stadt vorschlagen. Ist dieser Aspekt schädlich oder hilfreich? Wenn die Flugzeiten passen und die Preise gut sind, scheint doch alles in Ordnung zu sein, oder?
Orientierung im digitalen Zeitalter
Betrachtet man die Auswirkungen von KI auf Bildung und künftige Arbeitsmärkte, drängen sich Parallelen zu früheren technologischen Innovationen wie Tabellenkalkulationen oder Taschenrechnern auf. Auffallend ist, dass bestimmte Bereiche strikt an traditionellen Methoden festhalten, was eine nahtlose KI-Integration behindert. Müssen sich Studierende auf die Recherche in gedruckten Bibliotheksbeständen beschränken oder dürfen sie die Suchkraft des Internets nutzen, um Berichte zu verfassen? Wenn Internetsuchen akzeptabel sind: Ist es dann nicht naheliegend zu erwarten, dass Code Rohdaten in lesbare Dokumente umwandelt? Bei Bildung geht es vermutlich nicht darum, Google-Suchergebnisse in ein Dokument zu übertragen, sondern um den Inhalt. Und der Inhalt ist in diesem Beispiel ohnehin nicht originär – warum also nicht die KI das gesamte Dokument von Grund auf erstellen lassen? Was genau lehren und lernen wir eigentlich?
Effizienz und Wettbewerbsvorteile steigern
Das Aufkommen von Robotern hat die Beschäftigung in der Fertigung nicht verringert; es hat die Aufgabenbereiche hin zu sichereren und wertschöpfenderen Tätigkeiten verschoben und so die Wettbewerbsfähigkeit gestärkt. Bei der KI verhält es sich ähnlich – wer sie einsetzt, sichert sich einen Wettbewerbsvorteil. KI erhöht für einige das Arbeitspensum und optimiert für andere die Abläufe. Sie kann Engpässe oder mangelnde Flexibilität menschlicher Ressourcen ausgleichen, wie der KI-gestützte Management-Mentor von Moticheck zeigt, der Ressourcenknappheit begegnet. Dieser Mentor bietet rund um die Uhr Unterstützung und überwindet damit menschliche Grenzen sowie wirtschaftliche Hürden. Bemerkenswerterweise geht der Nutzen von KI weit über die Wirtschaft hinaus und trägt zu lebensrettenden Lösungen bei, wie etwa der Kartierung verlassener Minenfelder in der Ukraine. KI ist zweifellos ein Enabler!
Unermüdliche Logistik und darüber hinaus
Die Logistik ist ein Paradebeispiel dafür, wo KI den Menschen ersetzt und schnelle, ermüdungsfreie Abläufe gewährleistet. KI-gesteuerte Fahrzeuge halten sich ausnahmslos an Verkehrsregeln und berücksichtigen beispielsweise Geschwindigkeitsbegrenzungen an Schulen. Dieser Trend setzt sich fort, da KI-gestützte Logistik feste Arbeitszeiten neu definiert – genau wie Busse und Bahnen derzeit noch Fahrer benötigen.
Die Logistik ist jedoch nur ein Bereich, in dem KI herausragt. Derzeit treibt KI die Schaffung von Arbeitsplätzen in zahlreichen Sektoren voran, darunter:
- Datenverarbeitung: Entwicklung von KI-Modellen, Algorithmen und Systemen für maschinelles Lernen.
- KI-Forschung: Wegweisende Entwicklung von KI-Anwendungen in neuartigen Szenarien und Architekturen.
- Softwareentwicklung: Entwicklung und Optimierung von KI-Systemen.
- Robotikentwicklung: Verbesserung von Wahrnehmung, Lernen und Entscheidungsfindung bei Robotern.
- Gesundheitstechnologie: Ermöglichung von Fortschritten in der Diagnostik, Wirkstoffforschung und Patientenversorgung.
- Finanzanalyse: Unterstützung bei Betrugserkennung, algorithmischem Handel und Risikobewertung.
- Customer Experience: Förderung der Integration von Chatbots und virtuellen Assistenten.
- Cybersicherheitsanalyse: Erkennung und Abwehr von KI-gestützten Bedrohungen.
- Marketinganalyse: Automatisierung von Kampagnen und Personalisierung von Kundenerlebnissen.
Diese Liste lässt sich beliebig fortsetzen und unterstreicht die Rolle der KI bei der Schaffung neuer Chancen und der Förderung von Innovationen.
Gefährdete Berufe
Im Gegenzug sind bestimmte Berufsfelder besonders anfällig für Veränderungen:
- Datenerfasser
- Telemarketer
- Kassierer
- Fahrer (PKW/Bus)
- Fließbandarbeiter
- Callcenter-Mitarbeiter
- Wertpapierhändler
- Reiseverkehrskaufleute
- Übersetzer
- Kundendienstmitarbeiter
Woher ich das weiß? Ich habe ChatGPT gefragt 🙂
Diese Liste bringt es auf den Punkt. Viele dieser Berufe wurden vom Menschen bereits zu emotionslosen Routineprozessen gemacht, in denen kein Raum für eigenständiges Denken bleibt. Ein Mensch sollte nicht die Arbeit einer Maschine verrichten. Während in den oben genannten Berufen weltweit Millionen von Menschen tätig sind, bedroht KI auch weniger verbreitete Professionen, wie etwa Personalvermittler oder Anwälte. Wir müssen die technologische Evolution berücksichtigen. Übersetzungssysteme liefern beispielsweise schon heute sehr gute Ergebnisse. Besser als menschliche Übersetzer? Das weiß ich nicht, aber sie übersetzen definitiv schneller. Hier lohnt es sich, an das Zitat von Arianna Huffington, der Gründerin der Huffington Post, zu denken: „Eine Pause ist kein Fehler im menschlichen System, sie ist ein Feature.“
Die menschliche Komponente bewahren
Bei der Bewertung von Arbeitsplatzrisiken im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz gibt es eindeutige Rollen, die so stark mechanisiert sind, dass Menschen kaum konkurrenzfähig bleiben. In allen anderen Bereichen wird der Mensch seinen Job jedoch nicht an die künstliche Intelligenz verlieren, sondern an jemanden, der KI geschickt zu nutzen weiß. Wir müssen also lernen, neue Werkzeuge anzuwenden. Googeln war gestern, Bibliotheken sind von vorgestern – zumindest wenn es um die notwendige Informationsbeschaffung für das Berufsleben geht. Jedes Unternehmen muss prüfen, wie KI helfen kann, Kosten zu senken, schneller zu wachsen und Wettbewerbsvorteile zu erzielen. Wenn man in den Urlaub fährt, spricht dennoch nichts dagegen, Alexandre Dumas' „Die drei Musketiere“ aus der Bibliothek auszuleihen, falls man das Buch nicht selbst besitzt. Es ist davon auszugehen, dass kreative Berufe in absehbarer Zeit nicht von KI übernommen werden, da ihr die einzigartige Erfahrung und Empathie eines Autors oder Künstlers fehlt. Generative KI generiert im eigentlichen Sinne nur sehr wenig Neues: Sie nutzt bestehende Formate, Modelle und Elemente, um bereits Dagewesenes nachzuahmen. Das ist beispielsweise im Marketing nützlich, kann aber nicht als Kunst bezeichnet werden. Man kann ein KI-generiertes Musikalbum nicht als Beatles-Album bezeichnen, egal wie sehr es nach den Beatles klingt. KI kann als aufstrebender neuer Künstler auftreten, doch sobald der Code reproduzierbar ist, wird das Werk nicht mehr als Kunst im herkömmlichen Sinne wahrgenommen. Uns Menschen bleiben somit jene Aufgaben vorbehalten, deren erfolgreiche Bewältigung Empathie, Emotionen und eine unverwechselbare Lebenserfahrung erfordert.
Von Martin Rajasalu, Juli 2023
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